Bilder und mehr - Kundenbericht

Lost in Schweden

Um es klärender Weise gleich vorweg zu nehmen. Nein, wir kamen uns nicht wirklich verloren vor in Schweden. Aber ist doch ein toller Titel für eine kleine aber feine Reportage über unseren Trip nach Berglagsgarden, oder?

Also: In der letzten Juni-Woche hatten wir vier verwegenen Paderborner das große und sportliche Vergnügen, eine Woche lang über die Seen und Flüsse dieser landschaftlich unheimlich reizvollen Region zu paddeln. Nach knapp 14 stündiger Anfahrt aus dem Ostwestfälischen durften wir sofort bei unserer Ankunft erfahren, wie unkompliziert Robin und seine Kollegen sind. Eine Duschgelegenheit war ebenso selbstverständlich wie die Möglichkeit, abends in der Unterkunft des "Praktis" die Fußball-EM verfolgen zu können. Ein letzter Hauch von Zivilisation, bevor es dann nach einer Übernachtung auf dem Campingplatz am nächsten Morgen aufs Wasser und hinaus in die Prärie ging.

Ausgestattet mit Karten-Material (von wegen Lost in Sweden) machten wir uns auf in die wilde schwedische Natur. Wir begnügten uns am ersten Tag mit einer kurzen Etappe zu einem noch halbwegs nah gelegenen Rastplatz, wo wir probten, ob die alltäglich wiederkehrenden Mechanismen (Zelte aufbauen, Feuer machen, Essen zubereiten, Faxen machen, schlafen, Frühstück zubereiten, Zelte abbauen) gepaart mit den stündlich wieder kehrenden Mechanismen (Bierdosen aufreißen) schon in Herz und Blut übergegangen waren. Ergebnis: Ja, waren sie.

Am nächsten Morgen begann dann eine zweitägige Etappe, die zu Nordeuropa dazu gehört, auch wenn wir als eher dem südeuropäischen Gebiet zugeneigten Mitteleuropäer genau das eigentlich nicht haben wollten. Regen, Wind (der in der Regel als Gegenwind kommt) und halbhohe bis hohe Wellen zehrten auf den nächsten knapp 30 Kilometern an unseren Kräften, ließen uns abends aber auch in dem guten Gefühl einschlafen, etwas getan zu haben und es dem inneren Schweinehund aber mal so richtig gegeben zu haben. Und die Landschaft entschädigt sowieso für alles.

An dieser Stelle sei uns ein Warnhinweis für Kanu-Tour-durch- Schweden-Anfänger gestattet. Der See Thorwappen (wie könnten wir den Namen jemals wieder vergessen) sollte bei starkem Westwind doch eher gemieden werden. Es sei denn, an einem Rastplatz auf der anderen Seite warten thailändische Masseurinnen (sorry, war unser running gag in Schweden). Auf diesem See sind wir bei eben diesen grenzwertigen Wetterbedingungen auch an unsere Grenzen gestoßen. Aber der Kampf hat sich gelohnt, Jungs. Ich sage nur: Pull! Ach ja: Falls jemand Matthias' Mütze finden sollte (der Wind hat sie ihm mitten auf dem See vom Kopf gefegt), seine Adresse ist bei Robin hinterlegt.

Zurück zum Thema: Ab dem Mittwoch hatten wir dann bestes Schweden- Wetter, Sonne und knapp über 20 Grad, und wir haben es uns nach zwei anstrengenden Tagen richtig gut gehen lassen. Herrlich, sich auch einfach mal nur mit der Strömung treiben zu lassen, dabei einige Bierdosen zu vertilgen und an thailändische Masseurinnen zu denken (noch mal sorry). Zugegebenermaßen haben wir an den letzten 3 Tagen nur noch so knapp 20 Kilometer zurück gelegt. Aber es war ja schließlich Urlaub.

Die meisten Rastplätze, die wir ansteuerten, waren soweit in Ordnung. Hier fehlte mal eine wirklich brauchbare Schutzhütte und dort war das bereitgelegte Feuerholz zu nass - aber das waren alles Kleinigkeiten, über die man als echter Naturbursche locker hinweg sehen kann. (Anmerkung von Bergslagsgården: Seit 2012 werden die Rastplätze in einer neuen Organisation unterhalten und haben seit dem einen wesentlich höheren Standard.) Und das Gebiet ist so weitläufig (sagt man das so über eine Seenlandschaft, vielleicht ist die auch eher weitpaddelig) und doch flächendeckend mit Rastplätzen bestückt, dass man Tag für Tag ganz flexibel kürzere oder auch längere Touren planen kann. Mit den Booten und der Ausrüstung gabs überhaupt keine Probleme. Alles astrein.

Nach sechs herrlichen Tagen auf Wasser kehrten wir am Freitag Nachmittag mit vielen neuen Erfahrungen und Impressionen zurück zu unserer Ausgangs-Station. Und zum feierlichen Ausklang gönnten wir uns noch vier Sauna-Gänge.

Ein großes Ärgerniss sei hier nicht verschwiegen - wobei groß relativ ist. Eigentlich war das Ärgerniss super-klein. Es trat nur in so einer Massenhaftigkeit auf, dass es uns zum Teil den Spaß kaputt machte. Blackflies sind kleine fiese Biester, die dir an Land in Hundertschaften um die Ohren schwirren und hemmungslos zubeißen. Das war nicht so toll, gegen die Viecher lässt sich aber auch kaum was ausrichten. Spart euch das Geld für Mückensprays - es hilft alles nix. Man muss es einfach ertragen. Und wir haben es ertragen. Mäännnnaaaa . . .

Ich betone: Das war ein Ärgerniss - das einzige Ärgerniss. Ansonsten können wir - und da spreche ich wohl stellvertretend für die anderen - eine Kanu-Tour durch Berglagsgarden jedem kleinen oder großen Abenteurer nur ans Herz legen. Es war eine super Woche, Urlaub der etwas anderen Art, immer wieder auch mal anstrengend, aber trotzdem Erholung pur. Zitat eines Freundes: Wenn du da unterwegs bist, vergisst du eine Woche lang alles, was dir zuhause Sorgen bereitet. Dem kann ich nur beipflichten.

Schöne Grüße aus Paderborn,
Thorsten Heggen